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Artikel vom: 30.06.2010

Hitzewelle rollt auf Deutschland zu

Hoch Yari bringt Sommerhitze bis 38 Grad – Gefahr für Besucher des Public Viewing am Samstag

Hamburg - In den kommenden Tagen erwarten wir die erste große Hitzewelle des Jahres mit Tagestemperaturen, die im Osten knapp unter 40 Grad liegen werden. Mit schwachen südlichen Winden werden in den kommenden Tagen Luftmassen von der Sahara über Spanien und Frankreich hinweg nach Deutschland transportiert. Durch die langen und sonnigen Tage bleibt die Luftmasse auf ihrem Weg nach Norden heiß und beschert Deutschland hochsommerliche Temperaturen. Frank Böttcher, Leiter des IWK: „Wir erwarten den Höhepunkt der Hitzewelle am Samstag. Dann steigen die Temperaturen über all auf 30 bis 35 Grad. Im Osten werden 34 bis 38 Grad erreicht.“ Die Meteorologen des IWK können für die Berliner Innenstadt am Samstag auch Nachmittgaswerte von 40 Grad nicht ausschließen und warnen vor den Folgen, die diese Temperaturen auf die Teilnehmer von Großveranstaltungen haben. Frank Böttcher: „Wenn an so einem Tag 300.000 Menschen beim Public Viewing dabei sind, dicht gedrängt und ständig in Bewegung, dann besteht die Gefahr, dass einige Tausend Menschen ernsthafte Probleme mit dem Kreislauf bekommen. Darauf müssen sich die Sicherheitskräfte einstellen.“ Das IWK rechnet damit, dass vor allem in Berlin die Hitzewarnstufen 2 bis 3 erreicht werden. Damit besteht die Gefahr von Hitzeschäden wie Sonnenstich, Hitzekrampf und Hitzekollaps.  Bei so hohen Temperaturen ist die Zufuhr von Wasser und Elektrolyten besonders wichtig. Dort, wo die Veranstalter des Public Viewing Beschränkung für die Mitnahme von Wasserflachen haben, sollten diese überprüft werden. Jeder Teilnehmer sollte nach Empfehlung des IWK mindestens eineinhalb Liter Wasser zur Verfügung haben. Nach Ansicht des IWK stellt sich die Frage nach der Sicherheit der Teilnehmer bei dem zu erwartenden Wetter damit neu und zwar in allen deutschen Städten. Böttcher: „Für den Samstag rechnen wir damit, dass einige Temperaturrekorde für den 3. Juli geknackt werden. So stammt der bisherige Rekord in Hamburg beispielsweise aus dem Jahre 1930 und beträgt 32,5 Grad. „Ein Wert“, so Böttcher, „der am Samstag in der Hansestadt übertroffen werden könnte.“

Waldbrandgefahr: Die Hitzewelle wirkt sich zusätzlich auch in besonderer Weise auf die Waldbrandgefahr aus. In der Nordhälfte Deutschlands besteht verbreitet die zweithöchste Gefahrenstufe, in Ostdeutschland ist bereits die höchste Warnstufe erreicht. Rauchen im Wald oder gar offenes Feuer sind strickt verboten. Zwar rechnet des IWK mit einzelnen Gewittern in den kommenden Tagen, aber eine durchgreifende Abkühlung und länger anhaltende Niederschläge sind für die kommenden Tage nicht zu erwarten.  

Bleibt der Sommer so?
Am 5. Juli ist meteorologischer Siebenschläfer. Wetterlagen, die in den Tagen um dieses Datum herum das Wetter bestimmen, haben die Neigung, auch in den kommenden Wochen häufiger aufzutreten. Der Grund liegt im Jetstream, der sich Ende Juni/Anfang Juli in seiner Lage stablisiert. Der Jetstream ist ein Höhenwind, der in ca. 10 km Höhe über dem Atlantik und Europa von Westen nach Osten weht. Dem Verlauf des Jetstream folgen die Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik her Regenwetter nach Europa bringen. Wenn der Jetstream weit im Norden liegt, werden die Tiefdruckgebiete nach Nordeuropa abgelenkt. Wir in Deutschland kommen in den Genuss des Azorenhochs und das bedeutet warmes Sommerwetter. Liegt der Jetstream wie im letzten Jahr weiter im Süden, dann gehen über Deutschland auch im Sommer die Ausläufer des Islandtiefs hinweg, der Sommer wird verregnet und kühl

Geschichtlicher Hintergrund: Wie viele Bauernregeln geht auch der Siebenschläfertag auf das Kirchenjahr zurück. ("Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt"). Der 27. Juni ist den "heiligen sieben Schläfern" gewidmet. Dabei handelt es sich um sieben Christen, die der römische Kaiser Decius 251 n.Chr. verfolgte und in eine Höhle bei Ephesus einmauern ließ. Nach der Legende erwachten sie am 27. Juni 446 nach fast zwei Jahrhunderten Schlaf und konnten, da die Zeit der Christenverfolgung vorbei war, ihren Glauben verkünden. Aber Achtung: Wegen der Gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582, bei der auf dem 4. gleich der 15. Oktober folgte, liegt der eigentliche Siebenschläfertag am 27. Juni sondern um den 5. Juli herum.

Kein einzelner Tag entscheidet: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass man nicht nur das Wetter bzw. die Großwetterlage an einem einzigen Tage betrachten darf, sondern über einen längeren Zeitraum von etwa 10 bis 14 Tagen. Schwerpunktmäßig schaut man sich die Entwicklung der ersten Julidekade an. In dieser Zeit, so die Beobachtungen, hat die Atmosphäre eine recht hohe Erhaltungsneigung. Hat sich also z.B. der subtropische Hochdruckgürtel bis nach Mitteleuropa verlagert, könnte das Azorenhoch das Wetter in den Folgewochen bestimmen. Liegen wir hingegen dicht an der subpolaren Tiefdruckrinne, könnte sich eine eher wechselhafte und kühle Witterungsperiode einstellen.

Eintreffwahrscheinlichkeit: Bei der Eintreffwahrscheinlichkeit ist zunächst neben dem Datum auch die Zahl "Sieben" von Bedeutung. Sie ist mythologische geprägt, d.h. sie ist in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen, sondern steht sinnbildlich für einen längeren Zeitraum (es könnte also auch 8 oder nur 6 Wochen dauern). Unter all diesen Bedingungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Regel zutrifft, dann auch noch Regional unterschiedlich. Aber es gibt sie und sie nimmt von Nord nach Süd zu: Während es in Hamburg nur 55 Prozent sind, hat Berlin eine Trefferquote von 68 Prozent und in München sind es sogar rund 80 Prozent. Wer also im Süden des Landes lebt, kann sich auf den Siebenschläfer (Anfang JULI wohlgemerkt) einigermaßen verlassen.  
Quelle: kw-tv